Mjays Planet

Talking ’bout my generation?

Posted in Politik by Martin Spindler on April 16, 2009

Und ich gebe zu ich bin ziemlich kriegsgeil,
ich will dabei sein wenn das alles explodiert,
und dann tot sein oder aufstehen aus Asche und Trümmern,
und zusehen dass der Laden wieder funktioniert.

Gisbert zu Knyphausen, “Der Blick in deinen Augen”

Es wird mal wieder über die Generation auf Beruhigungsmitteln geschrieben. Es wird sich mal wieder beschwert, eine Generation kriegte Ihren Arsch nicht hoch. Konkret: Johannes Pennekamp regt sich auf Carta über die 25-jährigen auf. Und reiht sich damit ein in den Chor derer, für die die Jugend mal wieder keinen Arsch in der Hose hat. Ob es nun die De:Bug ist, die fragt warum die Jugend nicht mehr rebelliert, oder der Focus, den ich neulich bei meinen Eltern las, und der sich vornahm, mal eben ein Psychogramm der Befindlichkeit unserer Jugend zum heutigen Tag zu zeichnen, und auch da feststellen wollte, dass die Jugend nicht mehr so ist wie sie mal war.

Leider hat Falk seinen Beitrag wieder offline genommen Falk’s Artikel, in dem er einfach “wir” mit “ich” ersetzt hat, ist wieder Online und beschreibt am besten das Argumentative Problem, das Herr Pennekamp hat.  Denn eines ist sicher: wer heute von seiner Generation spricht, hat eigentlich nichts, worüber er sprechen kann. Herr Pennekamp reißt das so ein bisschen an, ohne es wirklich zu realisieren, wenn er davon schreibt:

Unsere eigene Identität ist dagegen unbekannt. Es wäre schwer, ein Fahndungsplakat für unsere Generation zu entwerfen: 25 Jahre, gut ausgebildet, orientierungslos umherirrend. Besondere Eigenschaften: keine.

Das hat nicht unbedingt etwas mit einem unpolitischen bzw. an Politik nicht interessierten Lebenswandel oder -stil zu tun, sondern sagt vielmehr eigentlich nur aus, dass man den 25-jährigen an sich nicht mal eben einfach schnell kategorisieren kann. Und das ist ja eigentlich auch ganz gut so, diese Individualisierung. Das zeigt nämlich, dass frühere Proteste, die auch nicht von der Breite ausgingen, aber das nur nebenbei, Wirkung entfaltet haben. Man sollte nicht von seiner Generation schreiben, wenn man sich selbst meint.

Und was meint Herr Pennekamp denn? Mal was machen? Bisschen Politik spielen? Oder das System umwerfen? Bisschen unspezifisch, so, für meinen Geschmack. Und da sind wir nämlich auch schon beim eigentlichen Problem: Generalthesen holen niemanden von dieser beschworenen Generation 25, die ja so gut ausgebildet ist, vom Computer weg oder aus dem Café raus, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat: es sind Generalthesen. Und deren praktische Umsetzung ist ziemlich nervenaufreibend und unsexy. Der Teufel liegt, wie so oft, im Detail.

Aber Anstatt zu mindest mal eine Generalthese mit einzubringen, mal zu sagen, was der gut ausgebildete 25er hypothetisch tun könnte, wenn er denn mal Zeit hat, das fällt der schreibenden Kunst schwer. Und dann wird der Diskurs zur Wirtschaftskrise, der gerade erst anfängt sich von Populismen zu erholen und somit zu etablieren, rüde missbraucht, um mal wieder gegen die böse, faule Jugend schreiben zu können.

Und was dann bleibt, ist eigentlich zu deprimierend, um sich darüber aufzuregen. Denn aufgeregt wird sich, dass andere aus der eigenen Altersgruppe sich nicht aufregen. Ein komisches Leben ist das.

One Response

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  1. ugugu said, on April 16, 2009 at 14:19

    Schön gesagt. Find.


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