Mjays Planet

The Global Village oder: Paris an einem Wochenende

Posted in Persönlich by Martin Spindler on October 28, 2008

Spontane Ideen haben ja die Neigung, die besten zu sein. Und ein spontaner Trip nach Paris kann sicherlich nicht als schlechte Idee gelten, es sei denn mein Verständnis von schlechten Ideen ist mal wieder komplett ab von dem, was man gemeinhin als normal bezeichnet. Anyway, ich war das Wochenende in Paris. Und habe mal wieder festgestellt, dass keinen Plan haben meistens der beste Plan ist.

Was noch nicht einmal mit meiner derzeitigen Lektüre des Passig/Lobo-Buches zusammenhängt, sondern einer Begegnung in Paris, die dem Ausspruch “Die Welt ist ein Dorf” eine doch sehr anschauliche Bedeutung gibt.

Also starten wir von vorn. Ich erhalte am Donnerstag so gegen Abend den Anruf, dass bei ein paar Freunden noch ein Platz bei deren Fahrt nach Paris frei ist. Ohne viel nachzudenken sage ich zu (wann kommt man schon mal so günstig nach Paris?) Und so sitze ich also nichtsahnend, mit Kamera und Notizbuch bewaffnet, am Freitag so gegen Mittag im Auto nach Paris. Geplant war eigentlich nur: Paris sehen. Was ne ganze Menge ist, wenn man mich jetzt so fragt, aber so Städte sehen auf den Stadtplänen ja auch immer kleiner aus, als sie eigentlich sind.

Unglücklicherweise begann “Paris sehen” mit dem Besuch einer amerikanischen Bar (sic!) direkt nach dem Check-In im Hostel. Na gut, der Mensch ist ein soziales Tier, also hält man es ne Weile aus. Außerdem sind die wenigen Frauen mit denen man sich so unterhält (englisch natürlich) eigentlich ganz nett. Irgendwann wird dann doch mal beschlossen weiterzugehen. Aber wie das bei größeren Gruppen immer so ist: man kann sich erstmal nicht einigen. Und wie das dann bei betrunkenen deutschen meistens so ist, werden diese auf der Straße meist ziemlich laut (was von den Franzosen sofort mit dem Kommentar quittiert wurde: “Ihr seid deutsche oder? Niemand schreit in Paris so auf der Straße rum.”) Und hier beginnt die Wendung des Abends, in dem Moment in dem man in die Planlosigkeit springt.

Ich setzte mich irgendwann einfach mit einem Kumpel ab und wir liefen ziellos durch das nächtliche Paris, was ersteinmal für eine gute Kulisse für so einige Unterhaltungen sorgte. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, sind die besten Stadtbesichtigungen eigentlich die, die mit Gesprächen verbunden des Nachts stattfinden. Also liefen wir durch Paris. Notre Dame, Hôtel de Ville, Centre Pompidou, und irgendwann nur noch im Kreis. Ziel war eigentlich der Place de Republique, aber in Retrospekt war es wohl glückliche Wendung, zweimal an St. Paul vorbeizulaufen und dann zu beschließen am Place de la Bastille erst vorbeizuschauen und dann in die dortigen Kneipenstraße einzubiegen.

Denn keine zweihundert Meter in der Straße, an irgendeiner generic bar, sehe ich das Gesicht einer Heidelberger bekannten, die noch bis vor 3 Wochen in einem hiesigen Wohnheim gewohnt hat. Und die Überraschung auf beiden Seiten war groß. Da fährt man schon nach Paris (bzw. zieht nach Paris) und dann läuft man doch wieder bekannten Gesichtern über den Weg.

Letzlich erwieß es sich als Glücksfall, jemanden zu treffen der sowohl Dolmetschen kann und sich in der Stadt auskennt. Denn neben der Beobachtung, dass die Welt auch in den größten Metropolen Europas (unabhängig dieser Erfindung namens Internet) ein Dorf ist, stellt man fest, dass man bei den Franzosen wirklich nicht weit kommt, wenn man außer “parle inglaise?” kein französisch spricht, geschweige denn in irgendwelche Clubs kommt. Außerdem hilft es, wenn jemand einem sagt, wo man Bier oder Kaffee zu erträglichen Preisen bekommen kann.

Was lernt man also aus so einem spontanen Trip? Spontaneität und Planlosigkeit zahlen sich aus. Paris ist teuer, aber überwältigend. Und Heidelberg ist viel zu klein.

Fotos vom Trip gibt es, sobald ich es geschafft habe, die Filme sowohl in die Entwicklung zu geben und abzuholen als auch einzuscannen. Also wohl so in 3 Monaten oder so.

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