Mjays Planet

Das Internet unter Generalverdacht

Posted in Web by Martin Spindler on April 15, 2008

Warum sich die deutsche Blogosphäre so schwer tut, sich zu behaupten.

Nachdem sich der Wirbel um den Artikel in der Netzeitung etwas gelegt hat, sollen hier noch ein paar Gedanken dazu geäußert werden. Ich hatte mich in in den Kommentaren zu meinem vorherigen Artikel zu diesem Thema zu der These hinreißen lassen, dass das Internet in Deutschland unter Generalverdacht steht und ihm sämtliche Qualitäten abgesprochen würden.

Das möchte ich nun ein wenig konkretisieren. Lukas schreibt hier über ein Thema, was ich auch versucht hatte anzureißen: den digital divide. Und ich denke er hat recht. Die Trennung zwischen Offlinern und Onlinern wird nicht, wie Matthias hier meinte, zwischen den Generationen verlaufen, sondern vielmehr zwischen innerhalb der Generationen. Warum das so ist kann ich nicht wissenschaftlich belegen. Mir scheint aber, dass es eine gewisse Angst vor diesem Medium gibt – wahrscheinlich auch eine Angst davor, sich auf dieses neue Medium einzulassen und es zu erlernen.

Eines merke ich gerade an der Debatte über Twitter, die ja, zumindest hier in Deutschland, auch gut vor sich hinkocht. Es wird immer schwieriger den Nutzen von neuen Services zu erklären, wenn der Rezipient auf der anderen Seite grundlegende Services, wie z.B. Blogs, nicht nutzt bzw. nur vom Hörensagen kennt. Und mit diesem Unverständnis, welches natürlich immer weiter fortschreitet, verstärkt sich die Angst davor, sich mit diesen Services auseinanderzusetzen, Zeit zu investieren, diese neuen Kommunikationskanäle auch zu nutzen und an dieser neuen Sphäre zu partizipieren.

Natürlich, das Internet, vor allem dieses mit dem 2.0-Suffix, scheint in aller Munde zu sein. Viral ist derzeit so in wie vor einiger Zeit Guerilla. Jedoch kratzen diese Buzzwords in der Umsetzung allenfalls an der Oberfläche. Nach wie vor werden auch gute virale Kampagnen durch Spamming ramponiert. Es fehlt ein Grundverständnis dafür, wie diese neue Welt tickt und nach welchen Regel sie funktioniert. Da dieses Grundverständnis fehlt werden grundlegende Fehler begangen, die das Zutrauen in dieses neue Medium nicht sonderlich fördern. Zu schnell wird ein Etat in den Sand gesetzt, zu schnell wird der Blogger Zorn auf sich gerichtet. So ist es einfach, dieses Internet nicht weiter ernstzunehmen.

Artikel, wie der bei der FAZ sind die Ausnahme. Die Regel sind eher Artikel wie der bei der Süddeutschen oder eben oben genannter bei der Netzeitung. So bleibt das Bild von der schönen neuen Internetwelt bei denen, die Offline bleiben arg ramponiert.

Was uns das zeigt ist, dass die kritische Masse mitnichten schon erreicht ist. Unter Social Networks wird gemeinhin StudiVZ verstanden und selbst unter den Studenten dominiert das Misstrauen. Aktionismus wie der unseres Bundesinnenministers, der ja die Personifizierung meiner These des Internets unter Generalverdacht zu sein scheint, hilft nicht, dies abzuschwächen. Noch schlimmer ist ja, dass dies nicht nur zu einer Angstbestätigung nach dem Motto Wenn Selbst der Innenminister sagt, dass muss überwacht werden, dann muss es ja gefährlich sein führt, sondern potentiell aufgeschlossene Nutzer massiv abschreckt, an diesem Experiment teilzunehmen.

Wie soll man jemandem erklären, er soll seine Updates bei Twitter verfügbar machen oder Bloggen, wo es doch potentiell alle Welt lesen kann, und im gleichen Atemzug betonen, dass die Vorratsdatenspeicherung oder der Bundestrojaner gefährlich sind?

Welche Fragen stellen sich? Wie kann sich die deutsche Blogosphäre behaupten? Professionalisierung oder Authentizität? Wie kann dieses Internet an die Menschen getragen werden? Wie können Vorurteile und Misstrauen abgebaut werden? Sind diese Thesen überhaupt richtig?

Meine Hoffnung liegt hier in einer konstruktiven Diskussion. I would like to be proven wrong.

Update: Zum Thema Blogs und traditionelle Medien sei hier noch kurz auf zwei äußerst interessante Artikel hingewiesen. Zum einen der Artikel bei Jan Schmidt über den Mythos der Gegenöffentlichkeit, welcher die unterschiedlichen Reichweiten von Blogs und klass. Medien thematisiert. Zum anderen ein Artikel bei Benedikt Köhler, welcher den Unterschied zwischen Diskurs- und Dialogmedien diskutiert.

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2 Responses

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  1. ieo said, on April 15, 2008 at 12:57

    ” zwischen den Generationen verlaufen, sondern vielmehr zwischen den Generationen”
    ???
    Du meinst wohl beim 2. mal nicht zwischen sondern innerhalb.
    Der wesentliche Unterschied zwischen Twitter und der VDS, der auch jedem einleuchtet, ist, dass man bei Twitter und Blogs freiwillig Daten preisgibt. Das ändert jedoch nichts daran, dass gerade Jugenliche leichtsinnig damit umgehen.
    Eine nette Idee, die ich mal gelesen habe, sind Blog-Adressen auf festerem Karton, in der Größe einer Visitenkarte. Auf die Karte kommen dann UNTERSCHIEDLICHE Blogs, damit für jeden was dabei ist. Um einen Islamphobisten oder fundamentalen Christen an das Internet heranzuführen eignet sich PI mehr als netzpolitik, das eher für IT-Interessierte geeignet ist. Es kommt in dem Moment dann nicht darauf an, die eigene Meinung zu verbreiten, sondern den Leuten die Vielfalt und Interaktivität des Internets vor Augen zu führen und das klappt am besten, wenn der Besucher sich beim ersten Besuch bestätigt sieht,

  2. mjays said, on April 15, 2008 at 13:22

    Erstmal danke für den Hinweis. Ist korrigiert.

    Bezüglich der Pappkarten: ich weiß ja nicht. Die meisten Nutzen das Internet ja bereits. Jedoch eher in einer Art und Weise, die der klassischen Mediennutzung entspricht, und nicht den Möglichkeiten, die das Internet bereitstellt. SpiegelOnline zu lesen ist aber keine wirkliche Internetnutzung.


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