Mjays Planet

Gratis-Problem im Internet?

Posted in Web by Martin Spindler on April 10, 2008

Das Internet als Gratiskultur, you get what you pay for als Alternative?

Medienkonvergenz hat eine Diskussion angestoßen, welche sich mit der Gratiskultur im Internet auseinandersetzt und die darausfolgenden Schwierigkeiten bei der Monetarisierung von Innovationen durch StartUps problematisiert. Grundthese hierbei: Weil die meisten Inhalte und Dienstleistungen in Netz kostenlos angeboten werden, hat sich eine Erwartungshaltung aufgebaut, die dieses Implizit fordert. Dadurch kommt es jedoch zu Monetarisierungsproblemen, wodurch den meisten StartUps über kurz oder lang das Kapital ausgeht und somit diese StartUps nicht mittelfristig erfolgreich geführt werden können. Auch zweinull hat das Thema aufgegriffen und entsprechend bearbeitet.

Verwiesen sei auch auf die Replik bei live.hackr, welcher den Aspekt stark ökonomisch und unter Bezugnahme der Wertschöpfung analysiert.

Nun also mein Senf zu dem Thema.

We thought we could make money on the Internet. But while the Internet is new and exciting for creative people, it hasn’t matured as a distribution mechanism to the extent that one should trade real and immediate opportunities for income for the promise of future online revenue. It will be a few years before digital distribution of media on the Internet can be monetized to an extent that necessitates content producers to forgo [verzichten] their fair value in more traditional media.

Dieses Zitat stammt aus der neuesten Southpark-Folge (via) und stellt ziemlich gut fest, woran es hapert. Das Internet befindet sich nuneinmal noch in der Adoleszenz. Natürlich muss man sich die Frage der Finanzierbarkeit stellen. Ein StartUp zu gründen, nur mit der Vision auf einen Exit kann keine Nachhaltige Strategie sein. Allerdings sind die Distributionskanäle noch nicht soweit gereift, dass die Monetarisierung entsprechend gegeben ist. Schuld daran ist sicherlich auch eine Gratismentalität, aber eben diese Mentalität ist doch konstituierend für das Netz, wie wir es kennen.

Es wirkt ein wenig paradox. Wir regen uns über die alten Player auf, die sich mit DRM und erweiterten Copyrights ihr Pfründe sichern wollen, nur um als nächstes die Kostenlos-Mentalität an den Pranger zu stellen, welche das erfolgreiche Führen von StartUps schwer machen. Wir prangern den Protektionismus der Old Economy an, nur um im gleichen Atemzug das gleiche für die New New Economy zu fordern?

Das Internet lebt, weil es Austausch ermöglicht. Austausch zu behindern, und sei es nur durch geringe Zugangsschwellen, welche die Kostenpflichtigkeit von Services oder Content nun einmal darstellen, ist kontraproduktiv. Sicher, Innovation muss sich lohnen, und solange Innovativität nicht entsprechend monetarisiert werden kann, ist dies eben nicht gegeben. Allerdings kann man Innovation nicht nur durch mangelnde positive Anreize beheben, sondern eben auch, indem man sie gar nicht erst zulässt.

Über kurz oder lang müssen wir uns Gedanken machen, wie diese Internet Economy vernünftig funktionieren kann. Ich stelle mir da zum Beispiel Mischformen aus CC und proprietär lizensierten Inhalten vor. Ich stelle mir Services vor, die nicht reich machen, aber im Long Tail ihre Existenzgrundlage finden. Ist das so schwierig? Es gibt genug Produkte, für die man auch heute schon gerne bezahlt.

Jetzt allerdings ein Diskussion vom Zaun zu brechen, die ausschließlich die Monetarisierung von Diensten oder Content beinhaltet, halte ich für kontraproduktiv. Solange sich dieses Web 2.0 immer noch als Anhäufung von Walled Gardens darstellt, solange Ansätze für eine Standardisierung und Interoperabilität von Daten, welche im Endeffekt dem Nutzer mehr Spielraum geben, nur halbherzig verfolgt werden, stellt diese Diskussion eher eine Gefahr als einen Nutzen für die Community dar. Der Lock-In ist derzeit immer noch die beste Möglichkeit, ein Produkt zu Geld zu machen.

Wir sollten also nicht die Kostenlos-Mentalität anprangern und für die Untergangsvision des Webs benutzen, sondern uns vielmehr Gedangen darüber machen, wie man Wirtschaften im Netz vernünftig organisieren kann. Wie man sicherstellen kann, dass sowohl Produzenten als auch Konsumenten zu ihrem Recht kommen. You Get What You Pay For ist ein netter Slogan. Er hilft uns aber nicht weiter.

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