
In den letzten Tagen wurde einiges über das neue Facebook-Layout geschrieben. TechCrunch fühlte sich stark an die Oberfläche von Mac OSX erinnert und hat damit sicherlich recht. Und so entstanden nun die Spekulationen, ob denn Facebook das Ziel verfolge, als Betriebssystem des Web 2.0 aufzutreten. Diese Diskussion entstand vor allem aus den Spekulationen über eine mögliche Komplettübernahme durch Microsoft.
Das Interface ist allerdings nicht die Hauptkomponente eines solchen möglichen Betriebssystems. ReadWriteWeb schreibt in einem Artikel Facebook Will Be the Mainstream Everything darüber, wie Facebook sich an den Trends innerhalb der Early-Adopter-Crowd orientiert, um entsprechende Features selbst in sein System zu übernehmen. Festgemacht wird dies an den Beispielen Twitter, Friendfeed und Flickr.
Facebook hat den Vorteil, dass es, zumindest im amerikanischen Markt, bereits den Mainstream erreicht hat. Etwas, was vielen Services so in der Form (noch) nicht gelingt. Und eben durch diese Marktdurchdringung können Services nutzbar gemacht werden, deren Funktionsweise oder Sinnhaftigkeit vorher nicht verstanden oder wahrgenommen wurden. Und genau das ist der große Vorteil, den Facebooks integration solcher Dienste bietet - Nutzer müssen sich nicht mit einem Service beschäftigen, sie müssen keine zusätzliche Zeit darauf verwenden, sondern er steht ihnen einfach bereit. Die Zeichen stehen auf WebOS.
Was bedeutet das allerdings für StartUps, wenn deren Dienste, sobald sie sich in der Early-Adopter-Crowd beweisen, als geklontes Prinzip bei Facebook wiederfinden? Derzeit sehe ich da nur eine gangbare Möglichkeit: Die Bedienung eines Services sollte auf einfachste Weise über eine eigene Facebook-App möglich sein. Erinnert ein wenig an Programmentwicklung unter MS. Und wahrscheinlich muss man es auch als solches verstehen. Denn ähnlich wie die wenigsten Word-Anwender sich über die Kompatibilität ihrer Dokumente Gedanken machen, machen sich die wenigsten User über die Portabilität ihrer Daten Gedanken. Sie wollen dass es funktioniert und sich sonst weiter keinen Kopf zerbrechen. Am wenigsten mit Diensten, die noch weiter an Ihrer Zeit nagen, und für die sich sonst noch das ein oder andere Passwort merken müssen.
Eine andere Frage hingegen bleibt, wie viel Butter sich StudiVZ eigentlich noch vom Brot nehmen lassen will. Derzeit betrachte ich zumindest eine mittlere Migrationswelle hin zum amerikanischen Konkurrenten. Auch wenn die Aktivität vieler, die den Umstieg von StudiVZ auf Facebook durchführen, zu Beginn gering bleibt, bleiben die Nutzer doch durch die Features von Facebook aufs erste aktiv und bilden so den Grundstein für das benötigte Wachstum von Facebook hier in Deutschland.
Eine Replik auf Don Alphonos Lebensräume.
Der geschätzte Don Alphonso hat auf seiner Italienreise ein Pamphlet verfasst. Diese Pamphlet handelt, wie sollte es anders sein, von der deutschen Blogosphäre, versteht er sich mit seiner Blogbar doch als Metablog eben jener. Um die deutsche Blogosphäre steht es wieder einmal schlecht, denn, nachdem die Selbstreferentialität bereits erfolgreich diagnostiziert wurde, wird diesmal die Thematik der großen deutschen Blogs aufgefasst. Denn, die Blogger kommen ja nicht raus, aus diesem vermaledeiten Internet, aus dem sie die ganze Zeit lesen und in das sie ununterbrochen schreiben.
Stellen wir fest: die deutschen Blogger brauchen mehr draußen! Denn da spielt das Geschehen, da geht die Post ab, da ist richtig was los.
Nun, wie ich in diesem Blog schon mehrmals festgehalten habe, halte ich nicht viel von der strikten Trennung zwischen online und offline, ich halte diese beiden eher für komplementäre Kanäle der gleichen Funktion, nämlich Kommunikation ermöglichen. Und insofern stimme ich ja mit Don Alphonso überein, wenn er schreibt
Rausgehen, tun, erleben, schreiben, das dürfte die Lösung sein. Das Internet als Kanal, den man nutzt, ohne in dessen Schlamm zu wühlen.
Was er aber vernachlässigt ist, dass eben dieser Kanal sehr viel breiter geworden ist, öfter befahren wird, entsprechend muss auch der Schlamm, der sich in der Fahrrinne ablagert, öfters mal gehoben werden.
Das Internet ist ein Kanal, der many-to-many-Kommunikation erlaubt, ein ziemlich unübersichtlicher Kanal also. Und dennoch, immer mehr nutzen ihn, diesen magischen Kanal. Denn es ist in erster Linie diese Kommunikation mit den vielen, die diesen Kanal so faszinierend machen. Es ist eben nicht sofort absehbar, was am Ende des Kanals winkt. Und dann darf es auch nicht wundern, wenn die ersten großen, die diesen Kanal befahren, eben erst einmal genau diesen Kanal erforschen, nachschauen, was sich eigentlich so darin tummelt, in diesem Kommunikationskanal. Und darüber schreiben sie dann in ihr Blog.
Dass es allerdings dabei bleibt, so bedauerlich dies ist, ist nun nicht diesen Blogs anzulasten, die, würden sie jetzt ihren thematischen Fokus ändern, sich schnell dem Vorwurf der Wankelmütigkeit ausgesetzt sähen. Das Problem ist vielmehr eines, welches ich gerne den digital divide nenne, nämlich die voranschreitende Trennung zwischen denen, die das Internet nutzen, und denen, die auf es schimpfen, weil es so viel so komplizierter gemacht hat, weil eben nicht klar erkennbar ist, was am Ende des Kanals wartet und weil ab und an auch mal der Schlamm vom Boden des Kanals gehoben werden muss.
Eine wie auch immer geartete Beschränktheit der Großblogger stellt nicht das Problem der deutschen Blogosphäre dar. Diese wie auch immer geartete Beschränktheit resultiert aus dem Publikum, dass in seiner Konstitution eher technik-affin und medienkritisch daherkommt.
Insofern ist es in der Tat schade, dass es so wenige Menschen gibt, die sich tatsächlich damit beschäftigen, andere, als techniklastige Inhalte, aus dem Netz zu filtern - denn genau das braucht es: Blogs, die andere Inhalte filtern und zusammenstellen, selbst in einen Zusammenhang setzen, und diese Informationen gerne aus dem Internet beziehen, um denen, die sich immer noch nicht trauen, das Internet so zu nutzen, wie es möglich ist, zu zeigen, dass es geht.
Das Netz verändert unser Leben, daher ist es wichtig, dass man auch darüber schreibt. Denn auf absehbare Zeit werden die Lebensräume, die Don Alphonso vorstellt, draußen aus dem Netz oder eben drinnen, konvergieren. Die Unterscheidung wird auf Dauer nicht mehr möglich sein. Und dann ist es ja auch gut, dass diese kleine Debatte hier nicht sonderlich lange Relevanz behalten wird.
Tags: Internet, Selbstbezug
So, im Rahmen des bei WordPress.com möglichen habe ich hier noch mal einiges umgestaltet, da das vorherige Design eh nur als Übergangslösung gedacht war. Bis auf das Design bleibt hier natürlich alles beim alten, es sei denn, ich schaffe es demnächst tatsächlich mal, etwas regelmäßiger zu schreiben.
Eine Facebook-Gruppe ruft zur öffentlichen Kissenschlacht und die Polizei bekommt Angst.
Am 25. Mai soll in der nähe des Hyde Parks eine Kissenschlacht stattfinden. Organisiert wird das ganze von einer Gruppe beim Social Net Facebook. Die Polizei versucht nun, die Organisatoren ausfindig zu machen und diesen Event zu stoppen, da Anfang Mai bereits ein anderer Park in London bei einem ähnlichen Event beschädigt wurde.
Bei Jeff Jarvis gibt es dazu einen guten Text:
I understand their desire [... but] Mobs can form instantly via Facebook and Twitter and there’s no telling who the organizer is because they won’t necessarily have an organizer.
Die Kommunikation wird einfacher und sie ist im besten Falle auch anonym führbar. Durch die Abwesenheit eines klar definierbaren Organisators erhalten solche Flashmobs, egal ob Spaßevens oder politische Demonstration, mehr Flexibilität. Das Bedürfnis, Menschenansammlungen zu kontrollieren und zu überwachen ist verständlich und nicht ohne Grund durch das Versammlungsrecht reguliert. Jedoch dürfte es in Zukunft schwieriger werden, diese Regulation durchzusetzen, da die Reaktionszeiten immer kürzer werden - wer weiß, wie schnell sich ein Mob organisieren kann, wenn Twitter einmal den Mainstream erreicht hat.
Tags: Flashmob, Versammlung, Regulierung
Mozilla begibt sich in den Spannungsbereich von Datenschutz und Datenauswertung.
Die Mozilla Foundation will nach einem Bericht von TechCrunch ein Projekt zur Auswertung von Nutzungsdaten starten. Allein diese Ankündigung scheint schon einige Wellen zu schlagen, nicht zuletzt aufgrund der Datenschutzdiskussion um den Internetriesen Google.
Und so ließen die ersten hysterischen Reaktionen auch nicht lange auf sich warten. Worum geht es jedoch?
Mozilla will Daten über das Surfverhalten der Nutzer von Firefox haben, um damit Webmetriken ergänzen oder verbessern (im besten Falle wohl ersetzen) zu können und Verhaltensmuster der Nutzer nachvollziehen zu können. Diese Daten sind der Hot Shit in der Internetwirtschaft, gibt es doch kaum zuverlässige Indizes über die Trafficströme. (So schreibt auch TechCrunch über die abweichenden Daten von Alexa, Quantcast und Hitwise.) Es gilt hier also in der Tat ein Problem zu lösen, das existiert.
Es tut sich jedoch damit ein anderes Problem auf: das des Datenschutzes. Denn das Surfverhalten der Nutzer aufzuzeichnen und analysieren zu lassen ist ein verdammt heißes Eisen - hier haben vernünftige Barrieren aufgebaut zu werden, die eine (Re-)Personalisierung der Daten unmöglich machen. Die aggregierten Daten sind nützlich und wichtig. Jedoch hat sichergestellt zu werden, dass die Daten über das jeweilige Nutzungsverhalten der Surfer im höchsten Maße anonymisiert gespeichert und übertragen werden.
Andernfalls stellt dieses Projekt ein Datenschutzdesaster dar, denn - und da muss man den Kommentatoren Recht geben - die Daten über das Surfverhalten einzelner Individuen sind für die verschiedensten Institutionen Gold wert.
Tags: Mozilla, Datenschutz, Monitoring
Wegelagerei im Internet
Der CEO des Dienstes Zattoo, den ich schon seit längerem Nutze, hat hier ein Interview gegeben und stellt dort die Probleme mit den großen deutschen Privatsendern kurz dar. Kurzer Ausschnitt:
Bezeichnend für diese Haltung ist, dass wir von einem Vertreter eines grossen deutschen Privatsenders auch schon als Wegelagerer bezeichnet wurden. Diese Aussage ist schon sehr weit hergeholt. Zumal von einem Sender, der Kabelnetz- und Satellitenbetreiber Geld bezahlt, damit er übertragen wird. Von uns erhielte der Sender Geld für die Übertragung.
Mal sehen wie sich Zattoo im Rahmen der EM entwickelt. Und hoffen wir doch mal, dass der EM-Sonderkanal bei Zattoo nicht ausschließlich in der Schweiz zu empfangen ist.
Die Gewaltdiskussion wird befeuert - von einem Video, dass nicht viel neues zeigt, es jedoch deutlich zeigt.
Der neue Clip von Justice zum Titel ‘Stress’ sorgt derzeit für einige Kontroverse. In Frankreich weigern sich die Sender, den Clip auszustrahlen und hierzulande schreibt selbst Spiegel Online darüber.
Was ist nun an diesem Video so kontrovers? Es zeigt Gewalt. Und es zeigt sie pur. Dass das allerdings zu solchen Reaktionen verleitet, hat man sich doch in den meisten anderen Bereichen mit solcher Form von Gewalt längst abgefunden? Manche Szenen dieses Videos erinnern doch sehr stark an die Spielreihe Grand Theft Auto, für deren letzten Vertreter SpOn voll des Lobes war. Auch hierzulande kennt man Gewalt. Zwar eher in der Form der Texte bestimmter Berliner Rapper. Sie war wohl bislang einfach noch nicht so klar und deutlich dargestellt.
Und dabei kann man Justice zu diesem Schritt eigentlich nur gratulieren. Wie Frédéric schon schreibt:
Das Video hat in Frankreich einen Aufschrei der Entrüstung provoziert[...] Das ist ganz gut für das Video. Und für die kommenden Marketingaktionen der Band.
Selten dürfte sich ein Video so schnell herumgesprochen haben. Virale Werber bekommen jetzt wahrscheinlich feuchte Träume. Und dennoch ist es erstaunlich, dass die Darstellung von Gewalt immer noch solche Kontroversen auslösen kann.
Die L-Bank das Landes Baden-Württemberg findet sich selbst schlecht.
Das Land Baden-Württemberg fordert seit nunmehr einem Jahr Studiengebühren in Höhe von € 500 pro Semester von seinen Studenten. Um ’soziale Härtefälle’ abzufangen beauftragte man die landeseigene L-Bank, Kredite für eben diese Studiengebühren anzubieten.
Nun möchte man meinen, diese Kredite würden studentenfreundlich gestaltet, schließlich geht es ja darum, denjenigen Studenten ein Studium zu ermöglichen, die diese Gebühren eben nicht von den werten Erzeugern bezahlt bekommen. Und was sagt dann der Vorstandsvorsitzende eben dieser landeseigenen L-Bank zur Stuttgarter Zeitung?
Ich kann jedem nur raten, sein Studium ohne Kredit zu finanzieren, sondern durch Jobben, Unterstützung der Familie oder indem auf etwas verzichtet wird.
Nunja, auf meine Wohnung und Nahrung kann ich schlecht verzichten, ich arbeite schon am Anschlag (ich darf aus steuerrechtlichen Gründen gar nicht mehr verdienen, ohne meinen Studentenstatus zu riskieren, sic!) und dann empfiehlt mir der Vorsitzende genau der Bank, deren Kredit ich gerade in Anspruch nehmen musste, das besser nicht zu tun? Man muss dieses Land einfach lieben. Schließlich haben wir ja gelernt, dass das Chaos was gutes ist.
Tags: Uni, Studiengebuehren, L-Bank
Twitter bringt Nachrichten schneller als die Agenturen - sagt die Agentur.
In den Offlinediskussionen, die ich in letzter Zeit bezüglich meiner Aktivitäten bei Twitter führte, stellte sich immer wieder die Frage, warum ich den twittere. Zum einen fällt mir dabei immer wieder auf, dass die meisten derer, die Twitter nicht nutzen, Twitter nur als Publishing-Instrument sehen. Twitter wird dabei auf das reine Schreien ins Netz verstanden, die Dialogfähigkeit wird gar nicht beleuchtet.
Und spätestens wenn ich dann anführe, dass ich Nachrichten in der Regel schneller über Twitter als über die traditionellen Onlinemedien erhalte, wird gelächelt bis gelacht. Um so beeindruckender ist, dass Adam Pasick in seinem Blog bei Reuters.com selbst schreibt:
News of a possible explosion rippled through the popular online service Twitter on Tuesday, in a preview of what’s to come in the realm of breaking news and citizen journalism. […] The “Falls Church Incident” was earthshaking only in the most literal sense, but it is an interesting proof of concept that news can be broken on Twitter.
Es geht dabei erstmal um ein eher unbeeindruckendes Erdbeben von der Stärke von 1.8 irgendwo in Virginia. Ähnliches konnte man jedoch bei der Löschung der olympischen Fackel in Paris bemerken. Selbst die Onlinemedien hatten diese Meldung erst geschätzte 45 Minuten nachdem es bei Twitter bekannt war. Im Editors Weblog gibt es noch ein paar andere schöne Beispiele. Und auch Benedikt bemerkt, dass Twitter immer schneller wird.
Es scheint also offensichtlich, dass Twitter ein Medium ist/wird, welches gerade solchen schnellen Input von News befördert. Wie man Twitter nutzt, um an Informationen zu kommen, wird im Online Journalism Blog und bei Robert Basic beschrieben.