Die Blogger sind Freaks, die kommen ja nicht raus…
Eine Replik auf Don Alphonos Lebensräume.
Der geschätzte Don Alphonso hat auf seiner Italienreise ein Pamphlet verfasst. Diese Pamphlet handelt, wie sollte es anders sein, von der deutschen Blogosphäre, versteht er sich mit seiner Blogbar doch als Metablog eben jener. Um die deutsche Blogosphäre steht es wieder einmal schlecht, denn, nachdem die Selbstreferentialität bereits erfolgreich diagnostiziert wurde, wird diesmal die Thematik der großen deutschen Blogs aufgefasst. Denn, die Blogger kommen ja nicht raus, aus diesem vermaledeiten Internet, aus dem sie die ganze Zeit lesen und in das sie ununterbrochen schreiben.
Stellen wir fest: die deutschen Blogger brauchen mehr draußen! Denn da spielt das Geschehen, da geht die Post ab, da ist richtig was los.
Nun, wie ich in diesem Blog schon mehrmals festgehalten habe, halte ich nicht viel von der strikten Trennung zwischen online und offline, ich halte diese beiden eher für komplementäre Kanäle der gleichen Funktion, nämlich Kommunikation ermöglichen. Und insofern stimme ich ja mit Don Alphonso überein, wenn er schreibt
Rausgehen, tun, erleben, schreiben, das dürfte die Lösung sein. Das Internet als Kanal, den man nutzt, ohne in dessen Schlamm zu wühlen.
Was er aber vernachlässigt ist, dass eben dieser Kanal sehr viel breiter geworden ist, öfter befahren wird, entsprechend muss auch der Schlamm, der sich in der Fahrrinne ablagert, öfters mal gehoben werden.
Das Internet ist ein Kanal, der many-to-many-Kommunikation erlaubt, ein ziemlich unübersichtlicher Kanal also. Und dennoch, immer mehr nutzen ihn, diesen magischen Kanal. Denn es ist in erster Linie diese Kommunikation mit den vielen, die diesen Kanal so faszinierend machen. Es ist eben nicht sofort absehbar, was am Ende des Kanals winkt. Und dann darf es auch nicht wundern, wenn die ersten großen, die diesen Kanal befahren, eben erst einmal genau diesen Kanal erforschen, nachschauen, was sich eigentlich so darin tummelt, in diesem Kommunikationskanal. Und darüber schreiben sie dann in ihr Blog.
Dass es allerdings dabei bleibt, so bedauerlich dies ist, ist nun nicht diesen Blogs anzulasten, die, würden sie jetzt ihren thematischen Fokus ändern, sich schnell dem Vorwurf der Wankelmütigkeit ausgesetzt sähen. Das Problem ist vielmehr eines, welches ich gerne den digital divide nenne, nämlich die voranschreitende Trennung zwischen denen, die das Internet nutzen, und denen, die auf es schimpfen, weil es so viel so komplizierter gemacht hat, weil eben nicht klar erkennbar ist, was am Ende des Kanals wartet und weil ab und an auch mal der Schlamm vom Boden des Kanals gehoben werden muss.
Eine wie auch immer geartete Beschränktheit der Großblogger stellt nicht das Problem der deutschen Blogosphäre dar. Diese wie auch immer geartete Beschränktheit resultiert aus dem Publikum, dass in seiner Konstitution eher technik-affin und medienkritisch daherkommt.
Insofern ist es in der Tat schade, dass es so wenige Menschen gibt, die sich tatsächlich damit beschäftigen, andere, als techniklastige Inhalte, aus dem Netz zu filtern - denn genau das braucht es: Blogs, die andere Inhalte filtern und zusammenstellen, selbst in einen Zusammenhang setzen, und diese Informationen gerne aus dem Internet beziehen, um denen, die sich immer noch nicht trauen, das Internet so zu nutzen, wie es möglich ist, zu zeigen, dass es geht.
Das Netz verändert unser Leben, daher ist es wichtig, dass man auch darüber schreibt. Denn auf absehbare Zeit werden die Lebensräume, die Don Alphonso vorstellt, draußen aus dem Netz oder eben drinnen, konvergieren. Die Unterscheidung wird auf Dauer nicht mehr möglich sein. Und dann ist es ja auch gut, dass diese kleine Debatte hier nicht sonderlich lange Relevanz behalten wird.
Tags: Internet, Selbstbezug
