Obamania everywhere. Here’s why
Das MIT hat eine nette Publikation, die sich Technology Review nennt. Titel der derzeitigen Ausgabe? How Obama really did it.
Und man muss sagen, dieser Artikel (6 Seiten) ist wirklich lesenswert, beleuchtet er doch die Hintergründe des Erfolgs der Onlinekampagne genannten Präsidentschaftskandidatens. Kurz zusammengefasst könnte man wohl sagen: es geht um die feuchten Träume aller Marketingleute, nämlich umfassende Profile von Supportern zu erstellen, aktive Knotenpunkte in diesem sozialen Netz zu identifizieren und zu aktivieren. Beschrieben wird Microtargeting, so z.B. SMS-Kampagnen zur Wählermobilisierung und es geht um Crowdsourcing – Telefonstaffeln, delegiert an Freiwillige zu Hause und keine Wahlkampfhelfer. Es wird das Szenario beschrieben, dass die Kampagne quasi schon aufgebaut ist, bevor die organisierten Wahlkampfhelfer überhaupt am Ort des Geschehens eintreffen.
Und all dies wird über die Plattform mybarackobama.com organisiert. Diese Plattform, und wohl mehr noch die dortigen Community Manager, scheinen unglaubliches Organisationspotenzial zu haben.
Die Frage ist natürlich: könnte man eine solche Kampagne hier in Deutschland ähnlich aufziehen, und wenn man da einmal von den lächerlichen Versuchen, sich als Internetpartei zu profilieren absieht, scheinen die strukturellen sowie die Mentalitätsunterschiede zu groß zu sein.
Das deutsche Parteiensystem lässt leider schwer von seiner Top-Down-Struktur lösen. Zu herausgehoben ist die Rolle der Partei im deutschen Grundgesetz, zu festgefahren der Karren der Parteienkultur. Das klingt jedoch nach Entschuldigungen an die Struktur, es gar nicht erst zu versuchen.
Treffender ist dann wahrscheinlich doch die Diagnose, die auch oben genannter Artikel bei Technology Review aufstellt: Obamas Online-Kampagne lief letztendlich nur deshalb so gut, weil sie im Mittelpunkt der Gesamtkampagne stand. Und während hier die Angst vor dem Internet weiter geschürt wird, werden die Erfolge ausbleiben.
Viel entscheidender als jedoch ist jedoch, dass sich viele Menschen von Obama wirkliche Veränderung erhoffen und daran glauben. Und das ist das Fundament. Obamas Kampagne gibt den Jüngern die Mittel an die Hand, die Botschaft weiterzutragen. Der Antrieb jedoch, dies zu tun, kommt aus der eigenen Überzeugung. Andernfalls ließe sich die Masse an user generated content für Obama kaum erklären. Und jetzt stelle ich die Frage in den Raum: wann kommt die erste Arbeit, die Obamas Kampagne mit dem Apple-Marketing vergleicht?
Hat denn niemand von AOL gelernt?
Es geht mal wieder um Umverteilung, um Ausgebeutete und solche, die auf dem Rücken anderer Geld verdienen, und im wesentlichen geht es um Kontrolle. Die Rede ist nicht vom Kommunismus, die Rede ist nicht vom Merkantilismus. Es geht mal wieder um die Netzneutralität.
Man kann schon einiges davon gehört haben. Man könnte beispielsweise von Jonathan Zittrains Buch The Future of the Internet: And How to Stop It gehört haben. Oder man könnte von dem FCC-Hearing gehört haben, in dem ComCast vorgeworfen wurde, den Datendurchsatz bei Torrents künstlich zu drosseln. Ähnliches wurde auch dem hier ansässigen Provider KabelBW unterstellt. (mehr…)
Eine Befreiung – ein Kriegsverbrechen?
Die Medien sprachen von einer hollywoodreifen Befreiungsaktion. Schnell wurde spekuliert, ob Geld geflossen sei, ob man die Geiseln eventuell freigekauft hätte. Auch der Mossad wurde ins Gespräch gebracht. Jetzt scheint sich herauszustellen: man nutzte die Symbole des Internationalen Roten Kreuzes. War die Befreiung Ingrid Betancourts aus den Händen des kolumbianischen FARC mit einem Kriegsverbrechen verbunden?
Die Medien schwärmten über vor Begeisterung, als am zweiten Juli die Meldung von der Befreiung Ingrid Betancourts und 14 weiterer Geiseln eintraf. Sie war ohne Frage die berühmteste Geisel in dem Konflikt, der schon so lange andauert. Dass dennoch viele von ihrem Namen noch nie gehört hatten, darf nicht verwundern, ist Kolumbien doch schon länger kein sonderlicher Flecken Erde mehr–und nur dann mal wieder in den Tagesthemen zu sehen, wenn es um Präsidenten Chavez in Venezuela geht. (mehr…)
Wir überwachen nur die Bösen
Und wo wir gerade bei der Überwachung sind (ok, krude Überleitung, aber hey, was solls):
Auch in Deutschland will man ja so den einen oder anderen Bürger überwachen. Will so wissen, was der im Internet macht, oder wie er eben ausschaut und wie er sich bewegt wenn er mal einkaufen geht oder so.
Es gibt natürlich kreative Ansätze, damit umzugehen, wie vor einiger Zeit diese englische Band bewies, da jedoch nicht jeder als Ausgeburt der kreativen Einfälle auf die Welt kommt und sich dennoch fragen: „Was soll das ganze eigentlich?“ stellt man halt ein paar Fragen.
Und manchmal hat dann auch die ARD ein paar gute Einfälle, schickt ein paar Kinder vor (böse Zungen behaupten, weil die noch nicht überwacht werden, wie so manch anderer Journalist, aber das ist eine andere Geschichte) und lässt die ein paar Fragen zur Überwachung stellen.
Heraus kommt dann ein Video, dass, wenn das Thema nicht so tragisch wäre, wirklich lustig wäre.
Und dann sagt unser liebgewonnener Wolfgang Schäuble:
Wir tun aber die Leute nicht überwachen und ausspionieren. Nur wenn es ganz schlimme Bösewichter, wo die Polizei hingucken muss, aber so brave Kinder wie ihr überwachen wir nicht.
Netzpolitik sagt dazu passen: solange ihr nicht ins Internet geht und euch von Kameras fernhaltet…
Und ich denke mir: Zum Glück bin ich kein schlimmer Bösewicht. Vielleicht habe ich mir aber doch mal die falschen Bücher bestellt?
Tags: Deutschland, Überwachung
Zimbabwe und die „Freie Wahl“
Man hat in den letzten Tagen und Wochen einiges über die Wahl und die Zustände in Zimbabwe gehört und gelesen.
Man weiß (oder sollte wissen) das Morgan Tsvangirai seine Kandidatur zur Stichwahl zurückgezogen hat und daraufhin in die niederländische Botschaft geflohen ist.
Man weiß, dass sich die jährliche Teuerungsrate jenseits der 100.000 % befindet, dass dieses Land von der Kornkammer Afrikas zum Nettoimporteur von Nahrungsmitteln wurde.
Man weiß und hört so einiges, und seit einigen Tagen weiß man nun auch, dass die Wahlen in Zimbabwe fachmännisch gefälscht werden.
Dieses Video, aufgenommen von Shepherd Yuda mit einer vom englischen Guardian gestellten versteckten Kamera, versucht den Wahlbetrug in Zimbabwe zu dokumentieren.
Dass die Afrikanische Union keine Konsequenzen aus aus diesem, jetzt offensichtlichen Wahlbetrug ziehen wird, gilt indes leider als sicher. Zu vielen unbequemen Fragen sähe man sich gegenübergestellt.
Ein aufrüttelndes Dokument, welches die Demokratie schätzen lehren sollte.
Tags: Zimbabwe, Wahlbetrug
re:bertelsmann–lesebefehl!
Der Malte vom Spreeblick hat einen Text geschrieben, und schreibt von Bertelsmann, dem Rapper Massiv und Politik.
Sehr lesenswert, und endlich ein Rap-Song, der auch mir gefällt.
Und hier das entsprechende Video:
[Youtube-Direktlink]
Tags: Rap, Bertelsmann, Spreeblick
Flashmobs im Social Age
Eine Facebook-Gruppe ruft zur öffentlichen Kissenschlacht und die Polizei bekommt Angst.
Am 25. Mai soll in der nähe des Hyde Parks eine Kissenschlacht stattfinden. Organisiert wird das ganze von einer Gruppe beim Social Net Facebook. Die Polizei versucht nun, die Organisatoren ausfindig zu machen und diesen Event zu stoppen, da Anfang Mai bereits ein anderer Park in London bei einem ähnlichen Event beschädigt wurde.
Bei Jeff Jarvis gibt es dazu einen guten Text:
I understand their desire [... but] Mobs can form instantly via Facebook and Twitter and there’s no telling who the organizer is because they won’t necessarily have an organizer.
Die Kommunikation wird einfacher und sie ist im besten Falle auch anonym führbar. Durch die Abwesenheit eines klar definierbaren Organisators erhalten solche Flashmobs, egal ob Spaßevens oder politische Demonstration, mehr Flexibilität. Das Bedürfnis, Menschenansammlungen zu kontrollieren und zu überwachen ist verständlich und nicht ohne Grund durch das Versammlungsrecht reguliert. Jedoch dürfte es in Zukunft schwieriger werden, diese Regulation durchzusetzen, da die Reaktionszeiten immer kürzer werden – wer weiß, wie schnell sich ein Mob organisieren kann, wenn Twitter einmal den Mainstream erreicht hat.
Tags: Flashmob, Versammlung, Regulierung
Wenn die rechte und die linke Hand …
Die L-Bank das Landes Baden-Württemberg findet sich selbst schlecht.
Das Land Baden-Württemberg fordert seit nunmehr einem Jahr Studiengebühren in Höhe von € 500 pro Semester von seinen Studenten. Um ’soziale Härtefälle’ abzufangen beauftragte man die landeseigene L-Bank, Kredite für eben diese Studiengebühren anzubieten.
Nun möchte man meinen, diese Kredite würden studentenfreundlich gestaltet, schließlich geht es ja darum, denjenigen Studenten ein Studium zu ermöglichen, die diese Gebühren eben nicht von den werten Erzeugern bezahlt bekommen. Und was sagt dann der Vorstandsvorsitzende eben dieser landeseigenen L-Bank zur Stuttgarter Zeitung?
Ich kann jedem nur raten, sein Studium ohne Kredit zu finanzieren, sondern durch Jobben, Unterstützung der Familie oder indem auf etwas verzichtet wird.
Nunja, auf meine Wohnung und Nahrung kann ich schlecht verzichten, ich arbeite schon am Anschlag (ich darf aus steuerrechtlichen Gründen gar nicht mehr verdienen, ohne meinen Studentenstatus zu riskieren, sic!) und dann empfiehlt mir der Vorsitzende genau der Bank, deren Kredit ich gerade in Anspruch nehmen musste, das besser nicht zu tun? Man muss dieses Land einfach lieben. Schließlich haben wir ja gelernt, dass das Chaos was gutes ist.
Tags: Uni, Studiengebuehren, L-Bank
Milbradt geht, der Credit Crunch bleibt
Das erste politische Opfer der Kreditkrise.
Heute morgen hat der Ministerpräsident des Freistaats Sachsen nach Angaben der Financial Times Deutschland seinen Rücktritt angekündigt. Er zieht somit die Konsequenzen aus seiner Umstrittenen Verwicklung in der Subprime-Geschäfte der Sachsen-LB, welche im Rahmen einer Rekordabschreibung im letzten Jahr an die LBBW notverkauft wurde. Auslöser dürfte jedoch eine private Verstrickung in umstrittene Finanzgeschäfte, so zum Beispiel ein Darlehen von der Sachsen LB über rund 192.000 EUR gewesen sein.
Als Nachfolger wird der bisherige Finanzminister Stanislav Tillich gehandelt. Dieser war bereits als Agrarminister, als Chef der Staatskanzlei sowie als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten tätig.
Nachtrag: Die Rücktrittserklärung findet sich mittlerweile auch online bei der FTD.

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