Mjays Planet

FriendFeed – das implizite Netz ruft

Posted in Web by Martin Spindler on May 30, 2008

Friendfeed erfreut sich gerade steigender Popularität, vor allem innerhalb der amerikanische Blogosphäre. Und wieder gibt es hier so ein Phänomen, das analog zu Twitter, schwer zu erklären ist.

Bei FriendFeed handelt es sich um einen LifeStream-Dienst, d.h. dieser Dienst bündelt die Aktivitäten des Users. So findet man zum Beispiel in meinem FriendFeed die Beiträge aus diesem Blog, meine Aktivitäten bei Twitter und Last.FM, meine Shared Items aus dem Google Reader sowie meine Bookmarks bei del.icio.us.

Warum ist dieser Dienst nun so populär? Er bietet die Möglichkeit zu kommentieren, Beiträge aus dem Sichtbereich zu entfernen (hide) bzw. als wertvoll zu markieren (I Like). Gerade die Kommentierungsfunktion hat innerhalb der amerikanischen Blogosphäre für aufsehen gesorgt, da sich so die Diskussion um bestimmte Themen fragmentiert. Die beste Zusammenfassung zu FriendFeed findet sich bei netzwertig (Leseempfehlung!), wo dieser Dienst unter anderem mit last.fm verglichen wird.

Und dieser Dienst funktioniert ähnlich. Vergleichbar mit der last.fm-Software, welche – einmal konfiguriert – das Hörverhalten nachvollzieht, zeichnet FriendFeed – einmal mit den entsprechenden Web-Diensten gefüttert – die Aktivitäten innerhalb der Sphäre die man wohl SocialWeb nennen kann, nach.

Der Vergleich mit last.fm hinkt jedoch ein wenig, denn – und da geht netzwertig leider nicht weit genug – es fehlt der Algorithmus, nach welchem last.fm aufgrund der Daten des Hörverhaltens Hörempfehlungen darstellen kann. Ich gebe Marcel Recht, in dem Punkt, dass sich FriendFeed sicherlich auch innerhalb der deutschen Blogosphäre durchsetzen kann. Jedoch brauchen wir keinen Digg-like Aggregator, und als solches wären die Daten, die bei FriendFeed anfallen, sicherlich verbraten. Es geht bei FriendFeed sicherlich auch nicht darum, Traffic zu generieren, wie man dem Lobo-Beispiel entnehmen könnte.

Die Daten aus FriendFeed dürften sich viel besser nutzen lassen, und zwar genau in dem Sinne, in dem bei last.fm die anfallenden Daten genutzt werden – um einen individuellen Filter aufzubauen. FriendFeed, bei entsprechender Zahl von Bekannten, die man über diesen Dienst verfolgt, erinnert an das klassische Beispiel des Wassertrinkens aus dem Löschschlauch. Das muss nicht sein. Denn hier haben wir einen Dienst, bei dem implizite Daten anfallen.

Wie ich hier bereits geschildert habe, brauchen wir im Netz bessere Filter, um mit dem Problem der Echtzeit fertig werden zu können. Ich ging damals davon aus, dass Social Networks auf Grundlage ihrer Daten dieses Problem angehen würden, und man kann behaupten, dass Facebook sich mit seiner neuerlichen Integration von Lifestreams scheint genau diesen Weg zu gehen.

Friendfeed dürfte hier jedoch vorerst den Startvorteil genießen, bietet es doch jetzt schon die Integration von mehreren Diensten und lässt sich auch über Facebook ansteuern. So bleibt es an FriendFeed, den eigenen Dienst weiterzuentwickeln. Eventuell findet hier ein Team eine Lösung, denn Attention Crash zu umgehen. Die vielbeschworene Signal-to-Noise-Ratio, d.h. der Anteil der individuell relevanten Informationen an den gesamt konsumierten Informationen, scheint sich in die richtige Richtung bewegen zu können.

Sollte FriendFeed etwas in dieser Richtung planen, und ich bin überzeugt, dass die Gründer mit diesem Gedanken spielen, dürfte sich Marcels Wette erübrigt haben. Wenn dieser Ritt gelingt und es FriendFeed tatsächlich gelingt, den Noise zu reduzieren, sind wir nicht nur irgendwo im prognostizierten Web 3.0 – nein, dann springen auch die deutschen Blogger auf den FriendFeed-Zug noch ehe sie Twitter sagen können.

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2 Responses

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  1. marcel weiss said, on May 30, 2008 at 00:51

    “Es geht bei FriendFeed sicherlich auch nicht darum, Traffic zu generieren, wie man dem Lobo-Beispiel entnehmen könnte.”

    Ja, das wäre ja auch nur ein Abfallprodukt, das durch die Masse, die Friendfeed nutzen wird, abfallen wird. Etwas, das sich auch “von außen” nutzen lassen wird.

    Du hast recht, ein individueller Geschmacksfilter wie bei last.fm nur eben auf alle Inhalte des Netzes ausgelegt, ist mindestens ebenso wenn nicht spannender. friendfeed baut im Hintergrund auch bereits eine Datenbank auf.

  2. Martin Spindler said, on May 30, 2008 at 00:56

    Sicherlich wird FriendFeed auch dazu genutzt werden, Traffic nach außen zu senden. Das ist ganz natürlich bei den Snippets die man dort zu sehen bekommt. Ich denke nur nicht, dass dies die primäre Intention hinter FriendFeed ist.
    Allerdings sehe ich schon die nächste Generation von SEO/SMO-Consultants, die meinen, Inhalte auf FF-Reichweite optimieren zu wollen.


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