Der Microsoft - Effekt

Ich war erstaunt, als ich heute im Feedreader die Nachricht über den geplanten Netzverkauf der E.On las (via). Dem Artikel ist zu entnehmen, dass unsere Kanzlerin über solche Pläne, ja, sagen wir mal, not amused ist, brechen sie und der werte Herr Glos doch vieles vom Zaun, um die Pläne der EU-Kommisarin für Wettebewerbsrecht, Neelie Kroes, zur Zerschlagung der integrierten Stromkonzerne und der damit verbundenen Trennung von Produktion und Transport (sprich Netz) zu verhindern.

Nun könnte man natürlich annehmen, dass der Siegelbruch bei E.On damit zusammenhinge, jedoch wurde hier ja schon ein Bußgeld verhängt.

Sehr viel wahrscheinlicher ist meiner Meinung nach, dass der Microsoft-Effekt greift. Denn die Verurteilung Microsofts zur Bußgeldzahlung von 899 Mio. EUR sollte die Industrie aufschrecken lassen haben.
Auch wenn solche Deals eine gewisse Vorlaufzeit brauchen, eben eine solche brauchte auch das Microsoft-Urteil.

Man darf gespannt sein, inwiefern sich dieser Entschluss der E.On auf den deutschen Energiemarkt auswirken wird, vor allem, inwiefern die anderen Großen Drei reagieren werden.

Was jetzt schon fest steht, ist, dass Neelie Kroes es vollbracht hat, ihr Kommisariat innerhalb der EU zu einem mächtigen Instrument auszubauen. Der Versuch, dem Wettbewerb auf die Beine zu helfen, ist lobenswert, auch wenn hier erst die Konsequenzen abgewartet werden müssen. Weiterhin bleibt zu beobachten, wie die Marktordnungen anderer Länder, gerade auch im Bereich Energie, behandelt werden. So viele mir sofort der Zusammenschluss von Suez und Gas de France in Frankreich ein, der aus meiner Sicht wettbewerbspolitisch höchst bedenklich ist, jedoch der nationalen Politik Frankreichs förderlich sein dürfte.

Um zur E.On zurück zu kommen: Wer wird der Käufer sein?
Geneigten Spekulanten viele hier sicherlich sofort der energiepolitische Albtraum namens Gazprom ein. Inwiefern die Politik hier noch einzugreifen vermag, bleibt abzuwarten.

Disclaimer: Ich bin Mitarbeiter der Verivox GmbH, einem Vergleichsportal im Energie- und Telekommunikationssektor und Vertriebspartner mehrerer Anbieter.

Nachtrag: Bei der FTD gibt es eine gute Zusammenfassung zum Sachverhalt.

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